Komşu e.V. Konzeption
 
UNSERE KITA STELLT SICH VOR
 
BESCHREIBUNG DER EINRICHTUNG
ZUR GESCHICHTE VON KOMSU
     
    VORAUSSETZUNGEN UND
PÄDAGOGISCHE ZIELSETZUNG
   
  WELCHE RECHTE HAT DAS KIND
  IN UNSERER EINRICHTUNG ?
  WORIN SEHEN WIR UNSERE ROLLE
  ALS PÄDAGOGEN/INNEN?
  STELLENWERT DER PÄDAGOGISCHEN ARBEIT
     
    PÄDAGOGISCHE SCHWERPUNKTE
   
  INTERKULTURELLE ERZIEHUNG
  ZWEISPRACHIGE ERZIEHUNG
  DIE BEDEUTUNG DES SPIELS
     
    BILDUNGSBEREICHE
   
  KÖRPER UND BEWEGUNG
  MATHEMATISCHE GRUNDERFAHRUNGEN
     
    KONZEPTION DER GRUPPEN
   
  KLEINKINDGRUPPE
  ALTERSSTUFE 4-6 Jahre
     
    ZUSAMMENARBEIT MIT ELTERN
   
  WIE GESTALTEN WIR DIE
  ZUSAMMENARBEIT MIT DEN ELTERN
  WELCHE MÖGLICHKEITEN DER
  EINFLUßNAHME HABEN DIE ELTERN?
     
    DIE ZUSAMMENARBEIT IM TEAM
   
  AUFGABEN DER LEITUNG/ GESCHÄFTSFÜHRUNG
  FORMEN DER ZUSAMMENARBEIT IM TEAM
  ZUSAMMENARBEIT MIT DEN PRAKTIKANT/INN/EN
     
    ANHANG
   
  STATISTIK
  ZUR ENTSTEHUNG DER KONZEPTION
     
  Die Konzeption als PDF | 2,53 MB  
Unsere Kita stellt sich vor
 
Beschreibung der Einrichtung
 
Unsere Kindertagesstätte Komsu e.V. hat acht Kindergruppen mit z.Zt. insgesamt 125 Kindern, fünf Kleinkindgruppen ( 1 - 4 Jahre) und drei Gruppen für die Älteren Kinder ( 4 - 6 Jahre). Die Einrichtung befindet sich am Paul-Lincke-Ufer 12/13. Die Außenanlagen umfassen den kitaeigenen Garten (Nr.12) und das Gelände des Natur- und Wasserspielplatzes (Nr.13), welcher von Komsu instandgehalten und gepflegt wird. Die tägliche Öffnungszeit geht von 7 - l7 Uhr.

Die Zusammensetzung der Gruppen besteht sowohl bei den Mitarbeiter/innen, als auch den Kindern, jeweils zur Hälfte aus Immigranten und Deutschen.
Wir arbeiten konzeptionell nach einem interkulturellen, nachbarschaftsorientierten Ansatz und praktizieren eine zweisprachige Erziehung. Die türkische und die deutsche Sprache werden im Alltag gleichberechtigt nebeneinander gelernt und gesprochen. Träger der Einrichtung ist der Komsu e.V.- Interkulturelle Kindertagesstätte. Unsere Einrichtung ist Mitglied im Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden DAKs e.V.
 
Die Einrichtung und das Gelände

Unsere Kita wurde nach dem Entwurf der englischen Architekten R. Maguire und K. Murray, im Rahmen der Internationalen Ausstellung, im Jahre 1986 fertiggestellt. Charakteristisch für die Innenraumgestaltung sind die hellen und offenen Räume, mit vielen Nischen und Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder.

Die Gliederung der Räume erfolgt durch verschieden hohe Wände, Niveausprünge, offene Treppen und abgesenkte Spielräume. Zusätzlich zu den Gruppenräumen stehen den Kindern ein großer Sportraum, eine Kinderkochecke und verschiedene Funktionsräume zur Verfügung. Alle Gruppenbereiche haben direkten Zugang zum Spielplatz im Freien.
Unser Natur- und Wasserspielplatz kennzeichnet sich durch die ausschließliche Verwendung von Naturmaterialien. Die Kinder können sich ausprobieren, die eigenen Grenzen kennen lernen, Naturerfahrungen machen mit Sand, Hügeln, Büschen, Baumstämmen, Erde und Wasser. Es gibt hier Spritz- und Matschräume, Nischen für Rückzug und Entspannung, Sinnesräume, Orte zum Klettern, Orte zum Toben, Höhenunterschiede und das Ganze ist eine große Bewegungsbaustelle
 
Zur Geschichte von Komsu
 
Im Jahre 1975 werden Planungen von Seiten der Behörden für die Erweiterung der Paul-Dohrmann- Schule in der Forster Str. l5 bekannt. Die Häuser Forster Str. 16 - 21 sollen zu diesem Zweck abgerissen werden. 1978/79 entsteht eine Mietergruppe, bestehend aus ausländischen und deutschen Anwohnern, welche sich gegen den, demnächst geplanten Abriß zur Wehr setzen will. Die Verhandlungen mit dem Senat scheitern 1980. Daraufhin erfolgt die Besetzung der Häuser Forster Str. l6 und 17 im November 1980. Die überwiegend ausländischen Besetzer kommen aus dem überbelegten Haus Forster Str. l8, in der zu dieser Zeit 29 Familien mit insgesamt 50 Kindern wohnen.

Es werden die gröbsten Schäden im Haus in Selbsthilfe behoben. Der Senat überläßt die Verwaltung der Häuser dem Verein SO 36, zur vorläufigen Nutzung für zwei Jahre. Es entsteht die Idee der Einrichtung eines Schülerladens und eines Kinderladens in den Ladenwohnungen der besetzten Häuser, einerseits um den Status der Häuser noch mehr zu festigen, andererseits, um die vielen Kinder versorgen zu können, welche in den beiden Häusern wohnen.

Grundidee des entstehenden Nachbarschaftsvereins war jedoch mit Hilfe des Schülerladens, der von deutschen und ausländischen Kindern besucht werden sollte, eine Annäherung zwischen deutschen und ausländischen Bewohnern aus der Nachbarschaft zu bewirken und gemeinsames Handeln zu ermöglichen.

Aus der Sicht der Kinder gab es damals eine deutsche und eine türkische Seite der Forster Straße. Die Grenze der Terrains bildete die Straße selbst. Bezeichnenderweise bestand die deutsche Seite aus sanierten und modernisierten Häusern, während sich auf der anderen Seite die völlig heruntergekommenen, zum Abriß bestimmten Häuser befanden. Gegenseitige Beschimpfungen und Prügeleien, falls sich ein Kind von der anderen Seite herüberwagte, waren keine Seltenheit.


Die Zusammenführung der deutschen und ausländischen Kinder war eines der ersten Ziele des Schülerladens

Die ausländischen Kinder kamen vorwiegend aus den Häusern Forster Straße l6, l7 und 18. Um deutsche Kinder zu erreichen, wurden Briefe an die Nachbarschaft, vor allem in den Häusern gegenüber, verteilt und die Schule informiert. Die deutsch - türkisch/kurdische Besetzung der Erzieherinnen entsprach dem damaligen Selbstverständnis der Gründungsmitglieder des Nachbarschaftsvereins. Im Oktober 81 wurde der Schülerladen von den Erzieherinnen eröffnet.


Die kurdische Erzieherin hatte das Haus mitbesetzt und war entsprechend vertraut mit den Lebensumständen der Kinder

Statt der ursprünglich geplanten 15 Kinder, kamen 30 deutsche und ausländische Kinder, letztere überwiegend türkischsprachiger Herkunft. Träger der Einrichtung wurde der Nachbarschaftsverein Forster Straße e.V. Das Projekt wurde als Eltern - Initiativ - Kita vom Senat finanziert. Besonders durch das gemeinsame Interesse der Eltern an dem Schülerladen, konnte die Kluft des Mißtrauens zwischen den beiden Seiten der Forster Straße stückweise aufgehoben werden. Es wurden gemeinsame Straßenfeste organisiert, eine Initiative zur Verkehrsberuhigung entstand und die Straße wurde später gemeinsam begrünt.

Im Februar 82 wird der Kinderladen in der Forster Str.l6 eröffnet, im Herbst 83 folgen der Kinderladen in der Forster Str.20 und die Vorschulgruppe in der Forster Str.l8. Jetzt war es möglich, allen Kindern ihrem Alter entsprechende Angebote machen zu können. Neben der Vorschulgruppe wird eine Küche eingerichtet, von der aus die Gruppen zentral mit Essen versorgt werden.

Ende 84 kommen die Selbsthilfeverträge für die Häuser Forster Str. 16 und 17 zustande. Die Häuser sind legalisiert, der Nachbarschafts-Verein wird zum Sanierungsträger. 1985 beginnen die Sanierungsmaßnahmen.

Um eine eindeutige Trennung zwischen Baubereich und pädagogischem Bereich zu erreichen, wird der Komsu e.V. als Trägerverein für die Kita gegründet. Im November 87 findet ein Wochenendseminar mit allen Erzieherinnen und Erziehern statt: Das Seminar findet zweisprachig statt.

  1. Die vorher unbezahlten Überstunden werden abgeschafft
  2. Es werden eindeutigere Positionen der Mitarbeiter/innen dem Vorstand und den Elterngegenüber entwickelt, welche auf mehr Entscheidungsbefugnisse der Erzieherinnen und Erzieher abzielen.

Im Februar 88 wird Komsu und drei weiteren Trägervereinen von Initiativkitas in Kreuzberg SO 36, von der damaligen Senatorin für Jugend und Familie, persönlich ausgesprochen, eine neue, bessere Finanzierung, die sogenannte Fehlbedarfsfinanzierung, welche in etwa der Finanzierung der öffentlichen Kitas entspricht, angeboten.

Die alte Finanzierungsform der Eltern - Initiativ - Kita geht davon aus, daß Verwaltung, Organisation, Putzen und Kochen von den Eltern übernommen wird. Dies war bei den betroffenen Initiativ - Kitas, nie der Fall, so daß Komsu jahrelang vor dem drohenden finanziellen Bankrott stand.

Es mußte an allen Ecken und Enden gespart werden, die bikulturelle Besetzung der Teams war eigentlich nicht zu tragen, der Fortbestand der Einrichtungen war nur durch monatelang nicht besetzte Stellen aufrecht zu erhalten.

Im September 88 wird dem Verband von Kinder- und Jugendprojekten, in dem Komsu mit den anderen betroffenen Vereinen organisiert ist, mitgeteilt, daß der Finanzsenat die Bewilligung der neuen Finanzierung abgelehnt hat.


Der Kampf um eine bedarfsgerechte Finanzierung beginnt:

Es wird beschlossen, daß die Kinder- und Schülerläden geschlossen werden, wenn die versprochene Finanzierung nicht umgesetzt wird. Es folgt eine Aktionswoche mit Demonstration vor der Senatsverwaltung für Finanzen, Pressekonferenz bei Komsu und einer Aktion mit den Kindern vor und in dem Spreewaldbad.

Es folgen Verhandlungen über Verhandlungen, Streitigkeiten innerhalb des Verbandes, ob die harte Linie, also Schließung der Einrichtungen, beibehalten werden soll. Im Dezember wird sowohl die neue Finanzierung, als auch die Finanzierung der Baumaßnahmen in den Läden bewilligt.

Im Januar 1989 können Leiterstelle und die Stelle der Reinigungskraft besetzt werden. Das Büro wird eingerichtet und im Laufe des Jahres werden alle Gruppen renoviert und neu ausgestattet.

Die alte Einrichtung landet dort, von wo sie vorwiegend herkam, auf dem Sperrmüll. Auf Beschluß der Mitgliederversammlung wird 1990 der Name des Vereins und somit auch der Einrichtung in Komsu e.V. - Interkulturelle Kindertagesstätte geändert. Der ehemalige Name Ekt- Komsu e.V. war nicht mehr zutreffend, außerdem wollte man den interkulturellen konzeptionellen Ansatz auch im Namen zum Ausdruck bringen.  TAZ Artikel

Nach 10 Jahren Vollfinanzierung durch die Fehlbedarfsfinanzierung steht Komsu vor ähnlichen Problemen wie in den Jahren vor 1989. Die Finanzierung für alle freien Träger von Kindertagesstätten in Berlin soll vereinheitlicht werden, auch Sonderfinanzierungen, die einem speziellen Klientel und einer entsprechenden Konzeption Rechnung tragen, sollen durch eine einheitliche Finanzierung ab 1.1.1999 ersetzt werden. Zusammen mit den anderen ehemals finanzierten Trägern und der Unterstützung von unserem Dachverband sowie des Bezirksamts Kreuzberg, versucht Komsu über Politiker und Medien die Senatsverwaltung zu Korrekturen der neuen Finanzierung bzw. Übergangsregelungen für bisher vollfinanzierte Einrichtungen zu bewegen.

Die wichtigsten Forderungen sind:
  • Zurücknahme des vorgesehenen zu erbringenden Eigenanteils für die freien Träger von 9%
  • Berücksichtigung der Kinder, welche in ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen leben,nicht nur in den regional kleine sozialen Brennpunkten wie das Kottbusser Tor oder im Wrangelkiez.
  • Einmalige Übergangsregelungen bezüglich der Vorfinanzierung von Elternbeiträgen
  • Erstattung der, durch die Einhaltung von Kündigungsfristen entstandenen Kosten, aufgrund der überaus kurzfristigen Umstellung der Finanzierung

Bis auf den letzten Punkt, bei dem uns Senatsverwaltung und der Bezirk Kreuzberg jeweils zur Hälfte unterstützten, bewirken unsere Aktionen lediglich einen höheren Bekanntheitsgrad und „viel Verständnis“ bei den Politikern. Mit rigiden Sparmaßnahmen im Sachmittelbereich, Kürzungen des Wirtschaftspersonals und des Verwaltungsbereiches sowie Streichung des Urlaubsgeldes und Kürzung des Weihnachtsgeldes und Spenden von Seiten der Eltern versucht Komsu die Kürzung von weit über 100.000 DM in den Griff zu bekommen. Schneller Arbeiten für weniger Geld lautet die Devise.

5 Jahre später, wir schreiben das Jahr 2003, die finanzielle Lage des Landes Berlin ist schlimmer denn je. Die Liste der direkten und indirekten Kürzungen, mit denen auch die Kitas zu kämpfen haben, wäre lang und unerfreulich, insofern wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu.

2001 nehmen wir erstmals Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf (Integrationskinder) auf. Ende 2002 wird der benachbarte Kindertreff "Pauli" aus Kostengründen vom Bezirk aufgegeben. Es wird im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens ein neuer Nutzer gesucht. Komsu wird ausgewählt und wird einen Vertrag für die Nutzung des "Naturspielplatz Paul-Lincke-Ufer 13 " mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg abschließen.

Unser Schülerladen zieht im Mai 2003 an das Paul-Lincke-Ufer 13 um. Eine Elterninitiative "Pauli" entsteht. Im August 2003 entsteht ein neue altersgemischte Gruppe in der Forster Straße 17.

Die bezirkliche Kindertagesstätte Paul-Lincke-Ufer 12 wird zum 1.August 2005 an Komsu übertragen. Die Paulikitakinder werden in vier Gruppen weiterbetreut, hinzukommen vier Gruppen aus der Forster Straße.Nach 24 Jahren verlässt Komsu die Forster Straße.

Juli 2007: Nachdem der Senat unter Herrn Böger eine Verlagerung der Schulkinderbetreuung von den Horten in die Schule beschlossen hatte und die Schülerläden und Horte seit dem 1.8.05 nur noch zu Auslaufmodellen wurden, welche keine Erstklässler mehr aufnehmen durften, schließt im Sommer 2007 unser Schülerladen im für immer.

 
Komsu e.V.   Paul-Lincke-Ufer 12/13 10999 Berlin    Tel.: 030/22503041     komsu@web.de